Damit meine ich jetzt nicht unsere Schweizer Fussball-Nationalmannschaft, die gestern im EM-Spiel gegen Italien über weite Teile des Matchs konzeptlos, verloren und ratlos gewirkt hat. Vielmehr habe ich die Situationen mancher Jugendarbeitender im Blick, die in zum Teil wirklich schwierigen Verhältnissen arbeiten. Etwa dann, wenn in ihrer Arbeit klare Konzepte, fachlicher Austausch und persönliche Unterstützung fehlen.

In der Jugendarbeit (und nicht nur da) sind Konzepte wichtige Orientierungshilfen. Ein gutes Konzept bietet Orientierung und einen Rahmen, der für alle Beteiligten eine Verbindlichkeit schafft. Es liegt in der Natur der Sache, dass die verschiedenen Beteiligten (Jugendarbeitende mit ihrem Berufsprofil, pastorale Vorgesetzte, Jugendliche, Kirchenpflege) unterschiedliche Sichtweisen auf die Jugendarbeit haben. Diese Unterschiede sind nicht an sich ein Problem, sie können aber zum Problem werden, wenn sie nicht offengelegt und diskutiert werden. Haltung, strategische Ausrichtung und Ziele müssen beim Erarbeiten eines Konzepts gemeinsam abgestimmt werden.

Um im Bild des Fussballs zu sprechen:

  • Es muss klar sein, auf welches Tor gespielt wird. In der Jugendarbeit heisst das: Das Ziel muss klar sein, und alle müssen auf dasselbe Ziel hinarbeiten.
  • Es muss klar sein, wer im Team Stürmerin, Verteidiger, Torhüterin oder Mittelfeldspieler ist. In der Jugendarbeit muss geklärt werden: Wer übernimmt welche Rolle? Wer kann wo einspringen, wenn mal jemand ausfällt? Welche Kompetenzen braucht es für eine bestimmte Aufgabe, und wer bringt diese mit?
  • Die Spielregeln müssen klar definiert sein. Sprich: Rahmen, Strukturen, No-Gos, Kommunikationswege etc. müssen geklärt und für alle verbindlich sein.
  • Die Schiedsrichterin muss unparteiisch sein. In der Jugendarbeit: Wer die Jugendarbeit beurteilt, darf sich nicht von eigenen Interessen leiten lassen, sondern muss sich nach den gemeinsamen «Spielregeln», dem gemeinsamen Konzept richten.

Und schliesslich noch: Ohne Freude am Spiel geht es nicht. – Das ist in der Jugendarbeit nicht anders. Erst die Freude an der Arbeit mit den jungen Menschen und die unbedingte Wertschätzung für sie vermag den Funken zu wecken, damit die Beteiligten später sagen: Das waren «magical moments».

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