Diese Woche war «VAJ on Tour» angesagt – das bedeutet: Wir von der Fachstelle waren mit Jugendarbeitenden unterwegs und haben drei kirchliche Jugendarbeitsstellen im Kanton Aargau besucht. Die Teams an den jeweiligen Orten haben uns spannende Inputs über ihre Arbeit gegeben. Ein paar Perlen daraus gebe ich hier gerne weiter, als Anregung und Inspiration.

Am ersten Ort, den wir besucht haben, fand ich zwei Dinge besonders beeindruckend. Zum ersten: Normalerweise wäre der Jugendtreff in den Ferien geschlossen. Nun hat das Team der Jugendarbeit aber vor den Osterferien festgestellt, dass der Grossteil der Jugendlichen wegen den Corona-Einschränkungen in den Ferien zuhause ist, und nicht wie sonst üblich wegfährt. Das Treffteam hat deshalb spontan ein Angebot gemacht – das Angebot «Wir machen was!». Die Jugendlichen konnten selber bestimmen, was sie machen wollen – und haben sich darauf geeinigt, an drei Nachmittagen je einen eigenen Kurzfilm zu drehen. Wir durften die Filme anschauen und hatten wohl genauso viel Spass daran wie die Jugendlichen beim Filmen.

Beeindruckt hat mich zum zweiten der Weg, wie das Jugendarbeitsteam das Projekt angepackt hat. Das Team machte Werbung auf dem Schulhausplatz, die interessierten Jugendlichen konnten sich in eine WhatsApp-Gruppe eintragen. Dass eine kirchliche Jugendarbeitsstelle überhaupt auf dem Schulhausplatz präsent sein kann, ist alles andere als selbstverständlich. In der besagten Gemeinde ist dies möglich, weil die kirchliche Jugendarbeit sich in jahrelanger Aufbauarbeit als anerkannter Player in der ganzen Gemeinde etabliert hat und viel Vertrauen geniesst. Sie arbeitet intensiv mit der kommunalen Jugendarbeit und derjenigen der reformierten Kirche zusammen, ebenso mit der Schulsozialarbeit. Dahinter steht auch ein klares Konzept, das vom Seelsorgeteam und der Kirchenpflege getragen und unterstützt wird.

Vom zweiten Ort nehme ich zwei Anregungen für die Firmvorbereitung mit. Die eine betrifft die Leitung der Firmgruppen. Die Firmgruppen werden nämlich von freiwilligen Firmbegleiter*innen geleitet. Das Besondere daran: Die Jugendlichen bilden beim ersten Treffen ihre Gruppen selber und suchen sich ihre Firmbegleiter*innen selbst. So kommen jeweils spannende Firmbegleiter*innen-Teams zusammen, von jungen Erwachsenen, älteren Kolleg*innen der Jugendlichen, Jubla-Leitenden, bis zu Eltern oder gar Grosseltern. Für ihre Aufgabe werden sie von den Firmverantwortlichen der Pfarrei unterstützt.

Spannend fand ich darüber hinaus auch folgendes: Wegen den Corona-Einschränkungen war es nicht möglich, wie gewohnt einen Infoabend für die künftigen Firmand*innen zu organisieren. Stattdessen haben die Firmverantwortlichen alle Jugendlichen und ihre Familien zuhause besucht, über die Firmung informiert und so wertvolle Kontakte geknüpft.

Am dritten Ort schliesslich haben wir Einblick erhalten in den Aufbau der Jugendarbeit. Der Jugendarbeiter setzt sich mit langem Atem dafür ein, dass Jugendliche Plätze finden, an denen sie sich aufhalten können. Besonders wichtig ist ihm dabei der Dialog und der Einbezug aller Betroffenen. Er arbeitet mit viel Geduld und Beharrlichkeit daran, die verschiedenen «Welten» mit ihren jeweiligen Bedürfnissen miteinander in ein Gespräch zu bringen: Jugendliche, Jugendarbeitende, Behörden von Gemeinde und Kirchgemeinde, Schule und andere. So, dass das gegenseitige Verständnis wächst und überhaupt ein Gefühl von Zusammengehörigkeit entstehen kann.

Beeindruckt hat mich auch das grosse Vertrauen des Jugendarbeiters in «seine» Jugendlichen. Während der Jugendarbeiter uns verschiedene «Hotspots» in der Gemeinde gezeigt hat, haben die Jugendlichen die offenen Räumlichkeiten des Jugendtreffs selbständig betreut. «Meine Jugendlichen können das», meinte der Jugendarbeiter dazu – und so war es denn auch.

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